Er vermag uns als erster Föhnwind im März zu umschmeicheln, im Sommer die Hitze zu lindern, im Herbst den Farben der Bäume Flügel zu verleihen und im Winter die Eiseskälte durch jede Ritze unserer Kleidung zu befördern. Und jederzeit hat er die Kraft, uns die Dächer von unseren Häusern zu reißen.
Kurz: er kann leise in den Bäumen säuseln und auch brüllen wie ein Löwe.
Soweit der spektakuläre, der auffällige Bruder.
Es gibt aber den Bruder Wind auch im Verborgenen, den Wind in uns. Ja, der Wind, der uns lebt. Das ist das EIN- und AUS-Atmen. Der Odem, der uns von Gott selbst eingehaucht wurde, auf dass wir LEBEN. Es ist der Geist, der Heilige Geist, der – wie man erzählt – weht, wo er will. Er ist ein verlässlicher Bruder, der haucht – EIN und AUS, EIN und AUS, und so fort. Er weht, ohne dass wir uns drum kümmern müssen. Er lebt in uns. Gott lebt in uns. Der Geist des Herrn, der uns durchweht, lässt uns ihn durch unseren Odem loben – mit jedem Atemzug – ein ganzes Leben lang.
Im Hebräischen heißt dieser Geist Ruach. Bleiben wir bei diesem fantastischen Wort stehen. RUACH. Man hört aus diesem Wort das Atmen förmlich heraus. RUUUUAAAACH.
Es gibt in unserer Sprache eine Menge solcher Klangworte, die ein Geräusch gleichsam darstellen – so wie gurgeln oder klingeln.
Es ist der Heilige Geist, der Wind, unser Bruder, der in uns weht und uns nicht einfach nur begleitet. Nein! Vielmehr: Er belebt uns und ist unser Atem. Er ist der Odem, der Geist des Lebens. Er ist das Leben selbst.
Sonnengesang: 3. Strophe „Bruder Wind“