Pfarrkirche Koppl

Die Pfarrkirche in Koppl steht im Zentrum des Ortes auf einer kleinen Anhöhe und ist schon beim Erreichen des Ortes gut sichtbar. Die Kirche verfügt über ein längliches Hauptschiff, an das an der Ostseite die runde Apsis mit der Sakristei anschließt. Darüber erhebt sich der  Glockenturm, der vier Glocken trägt und in einem steilen spitz zulaufenden Dach endet.

Das erste Gotteshaus wurde wahrscheinlich von den Herren von Nockstein - vermutlich nach einer Wallfahrt nach Santiago di compostela - errichtet, und bereits im 13. Jahrhundert als Vikariatskirche von Seekirchen erwähnt. 

Die Pfarrkirche ist dem Hl. Jakobus dem Älteren geweiht, sein
Gedenktag, der 25. Juli, ist das Patrozinium von Koppl.

 

 

Historische Entwicklung


Genaue Quellen fehlen, aber vermutlich errichteten die Herren von Nockstein im Mittelalter als gläubige Wohltäter ein Gotteshaus auf dem Hügel gegenüber ihrer Burg „Poschenstein“ wahrscheinlich als Dank einer erfolgreichen Wallfahrt nach Santiago di compostela. Diese Wallfahrt wird auch der Grund für die Wahl des Hl. Jakobus des Älteren als Pfarrpatron sein. Das Gut „Pfaffenschwandt“ diente dem angestellten Kaplan als Lebensunterhalt.

Der Chiemseer Bischof Berthold Pürstinger führte genaue Aufzeichnungen über die Kirchen, die er besuchte und einweihte und aus diesen Schriften geht hervor, dass er am 6. August 1514 die Kirche in Koppl „ausgesöhnt und gesalbt“ hatte. Diese Formulierung lässt den Schluss zu, dass an der gleichen Stelle schon vorher ein Gotteshaus gestanden ist.

Diese Einweihung umschloss auch zwei Altäre, rechts einen Altar zu Ehren des hl. Apostels und Evangelisten Johannes und der hl. Mutter Anna und links zu Ehren des hl. Apostels Andreas. Diese Heiligen genossen zur damaligen Zeit hohes Ansehen und wurden daher auch ausgewählt.

Die Pfarre Koppl war immer relativ arm und daher auch die Kirche spärlich ausgestattet. Die genaue Ausstattung geht aus Aufzeichnungen über Visitationen, Konsistorialprotokollen und Kirchenrechnungen hervor. 1726 versuchte man für einen neuen Hochaltar die notwendigen Mittel heranzuschaffen, ein äußerst schwieriges Unterfangen. Die Koppler mussten mehrmals um Unterstützung ansuchen, bevor der Dechant von Köstendorf nach einer Visitation die Errichtung des neuen Hochaltars förderte.

Am Abend des 23. Juli 1816 schlug ein Blitz in den Kirchturm ein und löste einen Brand aus, der die Kirche samt Totenkapelle und Friedhofsabdeckung zerstörte. Die Kirche brannte völlig ab, nur die Grundmauern blieben erhalten. Der Gesamtschaden wurde auf 5909 Gulden und 48 Kreuzer geschätzt. Der damalige Vikar Georg Winklhofer konnte das „Sanctissimum“, das Allerheiligste

und die „vasa sacra“, die heiligen Gefäße (Kelche, Ziborium, Monstranz) rechtzeitig in Sicherheit bringen und es wurde ihm gestattet, das Allerheiligste in einem eigens hergerichteten Zimmer im Vikariatshaus aufzubewahren und die werktäglichen Seelsorgedienste dort durchzuführen. Die sonn- und feiertäglichen Gottesdienste fanden in der Schnurrnkapelle statt, die zur damaligen Zeit etwa 150 Personen fassen konnte.

Das baufällige Gemäuer wurde notdürftig eingedeckt und der Innenraum wieder für den Gottesdienst hergerichtet. Doch das Gotteshaus bot einen jämmerlichen Zustand, wie aus mehreren Schriften hervorgeht und es war im Winter durchaus gefährlich bei hohen Schneelasten den Gottesdienst zu besuchen.

Trotzdem gestaltete sich der Wiederaufbau als äußerst schwierig, denn die finanziellen Mittel konnten auch durch viele Bittschriften nicht aufgebracht werden. Gerade in dieser Zeit war Europa im Umbruch, zwei Jahre vor dem Brand fand der Wiener Kongress statt und die Grenzen der Staaten Europas wurden neu gezogen. In dieser Zeit kam das Erzbistum Salzburg zu Österreich. Erst drei Jahre nach dem Brand konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Am 12. Juli 1886 wurde die Kirche von Fürsterzbischof Franz Albert Eder wieder eingeweiht.

1914 fand auf Initiative von Pfarrer Franz Aigner eine Kirchenrenovierung statt. 1949 gab es unter Pfarrer Joseph Wirthenstätter eine neuerliche Renovierung. Ende der 60er Jahre veranlasste Pfarrer Vitus Eder eine Neueindeckung der Kirche und des Turmes sowie eine Außenrenovierung. Anfang der 70er wurde auch der Innenraum renoviert. Die nächste Renovierung fand vom 26. Juni bis zum 5. August 1989 unter Prälat Hans Paarhammer statt. Im Jahr 1997 wurde auf Initiative von Pfarrer Rudolf Weberndorfer eine Lautsprecheranlage installiert und der Innenraum neu ausgemalt. 2008 wurden im Zuge der Dorfplatzsanierung auch die Kirchenstiege und das Geländer neu gestaltet.
(Quelle: Koppler Chronik)



Die Pfarrkirche und ihre Ausstattung heute


Das gegenwärtige Gotteshaus, ein etwas unregelmäßiger, aber fester Bau, geht in seinen Fundamenten auf die Zeit vor 1514 zurück. Die Mauern gehören noch dem spätgotischen Stil an und sind beim Brand 1816 erhalten geblieben und beim Wiederaufbau verwendet worden. Vor allem der Altarraum mit seinem Gewölbe errinnert an die Zeit der (Wieder-) Einweihung der Kirche durch den Chiemseer Bischof Pürstinger.

Das einschiffige Langhaus stellt eine rundbogige Längstonne dar. Die mit einfachem Stuck ausgestattete Westempore wird von vier marmorierten Holzpfeilern getragen. Im Osten erfolgt der Übergang vom Langhaus zur Apsis durch einen rundbogigen Triumphbogen. Ursprünglich wurde die Kirche von Süden her betreten. Nach der Renovierung 1970 wurde dieser Eingang geschlossen, um im Innern
Kirchenbäänke aufstellen zu können, weil die Sitzplätze zu wenige geworden waren. Dafür wurde im Westen das Eingangstor neu gestaltet und ein geräumiger Vorbau errichtet.

Ursprünglich war die Dreiecksgiebelfront im Westen mit Lärchenschindeln verkleidet. Vor der rechteckigen Tür befand sich ein hölzerner Vorbau. Bei der Renovierung wurde die Westseite des Gotteshauses wie auch des Turms mit elfenbeinfarbenen Eternitplatten verschalt. Damit wurde am besten gegen die ungünstige Witterung auf dem windigen Hügel gesorgt. Über der Tür befindet sich ein rundbogiges
Fenster, das noch an den gotischen Bau erinnert. Im Norden sind Turm und Sakristei angebaut. Das Mauerwerk des Turmes stammt aus der Zeit vor dem Brand und macht einen wehrhaften Eindruck. Die niedrige achtseitige Glockenstube hat vier rundbogige Schallfenster. Merkwürdig ist der über dem Hohlkehlgesims aufgesetzte achtseitige pyramidenförmige Schindelhelm, seit der Renovierung wie das über Langhaus und Chor nach Osten abgewalmte Satteldach ebenfalls mit dunklem Eternit eingedeckt. Das Turmkreuz mit vergoldetem Knauf leuchtet weit in das Land hinein.

Beim Eingang im Süden befindet sich jetzt die alte Totenkapelle, auch "Seelenkammer" genannt, an die Kirche angebaut. Sie ist 1977, nach dem Tod des Pfarrer Vitus Eder als Priestergrabstätte adaptiert worden. Früher dürfte sich in der Totenkapelle ein kleines "Ossuarium"
(Beinhaus) befunden haben, in dem sie Schädel einiger Seelsorger aus dem 17. und 18. Jhdt. aufbewahrt wurden. Diese wurden 1977 im Zuge der Errichtung des Priestergrabes an dieser Stelle beigesetzt.

Im Nordosten ist an den Turm die Sakristei mit je zwei Fenstern übereinander im Norden und Osten angebaut. Der Zutritt zur Sakristei ist

von Osten her möglich.

Seit der Innenrenovierung im Jahre 1970 wurde im Mittelgang bis zur Apsis das Pflaster mit gestocktem Adneter Marmor erneuert. Neben dem Hochaltar auf der linken Seite der Mauer befindet sich in Kopfhöhe ein Grabstein (roter Marmor mit Reliefwappen und Inschrift). Rechts vom Hochaltar an der südöstlichen Seite in die Mauereingelassen das Sakramentshäuschen von 1518 ruhte nicht wie heute auf einer gedrehten Marmorsäule (diese soll der Pfaffenschwandtbauer alleine auf seinen Schultern den Kirchenhügel hinauf getragen und im Presbyterium unter dem Saktramentshäuschen aufgesetzt haben). Auf der linken Seite des Hochaltars an der Wand nach Nordosten ist die etwas zu große, jedoch sehr schön gearbeitete silberne Ampel für das "Ewige Licht" aufgehängt.

Der Apsisboden was seit 1914 mit bemalten Klinkerplatten ausgelegt. 1981 wurde das "Speisgitter" abgetragen, ein neuer Volksaltar auf einer Rundbogenstufe erhöht aufgesetzt und der unansehnliche Apsisboden mit einem strapazfähigen Teppich ausgelegt. An der rechten Vorderseite der von vier Armen getragenen Mensa des Volksaltares ist das alte versilberte Prozessionskreuz angebracht. Der Volksaltar wurde nach einem Entwurf von Architekt Fritz Genböck vom Tischlermeister aus Gnigl Cherubin Fercher angefertigt.

Die Kirche hat drei weitere Altäre aus Holz: Der Hochaltar ist freistehend und umschreitbar; er wurde anfangs der 20er Jahre des 19. Jhdts. geschaffen. Das Hochaltarbild stammt vom Kunstmaler Franz Xaver Hornböck und zeigt die Unbefleckte Empfängnis, mit Rosen gekrönt; den
Mond zu ihren Füßenm kniet Maria, von Engeln umgeben, schützend auf dem von der Schlange (Teufel) heimgesuchten Erdball. Über dem Haupt der Muttergottes der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Das Aufsatzbild zeigt CHristus und Gott Vater mit der Krone in Händen (Krönung Mariens).

Statuen am Hochaltar: links der hl. Apostel Andreas (mit Andreaskreuz) und rechts der hl. Apostel Thomas mit Buch und Lanze. Oben, von 1726 stammend, zwei anbetende Engel und in der Mitte über dem Altaraufsatz der hl. Jakobus der Ältere, der Kirchenpatron. Der linke  Seitenaltar wurde 1987 anlässlich des Marianischen Jahres restauriert und eine Kopie der Schöndorfer Madonna aufgestellt, links davon der hl. Johannes Nepomuk und rechts der Viehpatron, der hl. Leonhard. Der rechte Seitenaltar hat in der Mitte das Bild des Gekreuzigten mit Maria, Johannes und Magdalena; auch hier befinden sich zwei Statuen, links der hl. Florian und rechts der hl. Georg. Vorne auf der Predella eine Herzjesustatue, um 1910 von Pfarrer Johann Aigner angeschafft.

Die Kanzel ist pseudoromanisch und stammt aus der Mitte des 19. Jhdts. Über dem Kanzelbaldachin eine Statue des hl. Erzengels Michaels. Die vier Evangelisten, die die Felder der Kanzel ausfüllen, wurden erst 1914 bei der Renovierung der Kirche angebracht. Das Betreten der Kanzel ist von der oberen Sakristei möglich.
(Quelle: Koppler Chronik)