Bitt-Tage

Die drei Tage vor Christi Himmelfahrt werden liturgisch als „Bitt-Tage“ gestaltet. Es geht in den Andachten und Prozessionen um gedeihliches Wetter für eine gute Ernte. Diese Tradition wird heute noch im ländlichen Raum gepflegt. Die Menschen beten, dass Gott Seine segnende Hand schützend über Wald und Flur halte, damit die Bauern im Herbst die Früchte ihrer Arbeit ernten können. Die Gottesdienste an den Bitt-Tage sollen aber deutlich machen, dass der Mensch in „Schöpfungsmitverantwortung“ die Natur nutzen soll. Ja, nutzen, denn sie ist für uns da. Doch ohne sie auszubeuten, denn das hieße, sie für kommende Generationen in ihrer Nutzbarkeit zu gefährden. „Nachhaltigkeit“ ist das Konzept, das in der Naturnutzung zentral sein sollte. Die Gottesdienste an den Bitt-Tagen machen zudem deutlich, dass der Mensch bei allem, was er in der Welt tut, in Gottes Hand geborgen ist, auf Gottes Gnade setzen, mit Gottes Hilfe rechnen darf. Das gilt nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für jede Arbeit.

Beten wir also in diesen Tagen – neben den persönlichen Anliegen – um gutes Wetter für eine gute Ernte, um Arbeit mit fairer Entlohnung für alle. Die Tatsache, dass die Bitt-Tage in den Marienmonat Mai fallen, mag uns daran erinnern, dass wir uns mit diesen Anliegen vertrauensvoll an die Gottesmutter wenden können: Bitt’ Gott für uns, Maria!

Dem aus Lyon stammenden Mamertus von Vienne (400-475), Bischof von Vienne, wird die Begründung der Bitt-Tage zugeschrieben. Nach zahlreichen Feuern und Erdbeben und großen Zerstörungen in seiner Heimatstadt Vienne führte Mamertus 470 die Drei Bittgänge vor dem Fest Christi Himmelfahrt ein, Prozessionen zur Abwendung von Gefahren und zur Erflehung göttlicher Hilfe. Die hierfür erstellten Litaneien und Bittgebete verbreiteten sich in ganz Gallien und Spanien.

Die Grundstruktur des Gebets: Lobpreis und Bitte

Das Gebet der Christen lehnt sich in seiner Struktur seit alter Zeit an die Tradition des Judentums an: Lobpreis und Bitte. Aus der Erfahrung des Heils, das Gott in vergangenen Tagen für sein Volk gewirkt hat und für das er zu preisen ist, erwächst die Bitte um das heilbringende Weiterwirken in der Gegenwart. Der Christ erkennt die besondere Wirksamkeit des heilschaffenden Gottes im Paschamysterium Christi. Aufgrund dieser Erkenntnis wird sein Bittgebet in Verbindung mit dem Paschamysterium stehen, das den Kern des christlichen Glaubens ausmacht.

“Wir sind unterwegs, Wanderer zwischen zwei Welten”

Bittgebet und -prozession entheben die Gläubigen nicht der Verantwortung, bei der Lösung anstehender Probleme mitzuwirken. Die christliche Motivation zu solchem Tun kann wie folgt verstanden werden: “Bete so, dass du unter der Bitte um die Gabe von oben dich immer mehr selbst zur Opfergabe nach oben machst. Bete so, dass dein anhaltendes Bittgebet als Bewährung erscheint für deinen Glauben an das Licht Gottes in der Finsternis der Welt, für deine Hoffnung auf Leben in diesem beständigen Sterben, für deine Treue der Liebe, die liebt ohne Lohn. Wir sind unterwegs, Wanderer zwischen zwei Welten. Weil wir noch auf Erden wandeln, lasst uns bitten um das, was wir auf dieser Erde brauchen. Da wir aber Pilger der Ewigkeit auf dieser Erde sind, lasst uns nicht vergessen, dass wir nicht so erhört werden wollen, als ob wir hier eine bleibende Stätte hätten, als ob wir nicht wüssten, dass wir durch Untergang und Tod eingehen müssen in das Leben, das in allen Bitten allein das Ziel des Lebens und Betens ist. Solange die Hände gefaltet bleiben, gefaltet bleiben auch im entsetzlichen Untergang, so lange umgibt uns die Huld und das Leben Gottes, und alle Abstürze in das Entsetzen und in den Tod sind nur ein Fallen in die Abgründe der ewigen Liebe” (Karl Rahner).